Chapter 1: Akklimatisierung in Bangkok
Stefan • January 12, 2019
sea-2019
Nach meinem Flug von Wien nach Bangkok steht einmal akklimatisieren in Thailand an. Habe in einem kleinen Hostel abseites des touristischen Trubels eingecheckt. Plan ist ein paar Tage zu relaxen, die nächsten Reise Destinationen zu planen und in meinen Reiserhytmus zu finden.
Am Morgen versuche ich wenn möglich früh rauszukommen (bevor die Hitze zu groß wird) und im nahen Benjasiri Park Laufen zu gehen. Das ist ziemlich leiwand dort, weil auch viele (besonders ältere) Thais dort sind und ihre Gymnastik Übungen machen. Eine Mischung aus Yoga, Tai Chi und einfach nur im Kreis herumgehen. Sie lachen und tratschen währenddessen. Schaut nicht so aus als würden sie sich sehr verausgaben. Es geht glaub ich eher um ein morgentliches Socializing und ein bisschen Bewegung. Das ist sehr motivierend, denn von ca 6 bis 8 Uhr Früh sind die Parks voller Leute die ihrem Sport nachgehen.
Nach dem Sport und Frühstück spaziere ich durch die Gegend und erkunde die Stadt. Es ist mittlerweile mein Viertes mal in Bangkok. Ich lasse die Sightseeing Spots großteils aus und konzentriere mich lieber auf Gassen und Bezirke in denen ich noch nicht war.
Die heißeste Zeit des Tages, nach dem Mittagessen, verbringe ich entweder im Hostel oder in einem der vielen kleinen Cafe's rund um mein Hostel. Dort kann ich in Ruhe sitzen, Tee trinken, lesen und mit meinem Laptop bisschen programmieren. Ich versuche jeden Tag so zwei bis drei Stunden zu arbeiten. Erstens weil's mir Spaß macht, zweitens um mein Programmiererhirn in Form zu halten. Das ist auch die optimale Gelegenheit um neue Technologien auszuprobiern, Dinge zu lernen und mich weiterzubilden.
Gleich ums Eck meines Hostels sind ein ganzer Haufen von Streetfood Standeln mit allem möglichen lokalen Köstlichkeiten. Pad Thai und Papaya Salad werden die ersten Tage zu meiner Standardspeise. So gut! Frühstück gibt's im Hostel. Habe ein kleines lokales "Restaurant" gefunden (eigentlich eine Art Garage, aus der heraus verkauft wird). Mittags ist die kleine Hütte immer knallvoll gefüllt mit Thais die dort essen. Endlich wird ein Platz frei und da ich die Speisekarte nicht verstehe zeige ich einfach auf den größten Topf. Das dürfte wohl die Speise sein die auch die meisten Thais hier essen. Spezialität des Hauses quasi. "Kuay Teow Tom Yam", wie ich später erfahre. Eine scharfre Suppe mit allem möglichen Zeug drinnen. Unterschiedlichste Sorten Fleisch und diverses Gemüse schwimmen in einer trüben, mittelmäßig dickflüssigen Brühe. Die Suppe ist sehr scharf und ich schwitze in der heißen schwülen Luft sofort so stark das mein Shirt komplett durchnässt ist. Nach dem Essen geht's mir super. Ich spüre die Hitze weit weniger und bin perfekt gesättigt.
Hua Lamphang und weitere Reisevorbereitung
An diesem Nachmittag hab ich mir vorgenommen den Hauptbahnhof auszuchecken und mir optimalerweise gleich ein Zugticket Richtung Süden - ich möchte ja eigentlich nach Malaysien - zu kaufen.
Mit den zwei Metro Linien "BTS" und "MRT" fahre ich zum Hua Lamphang Hauptbahnhof. Das letzte mal das ich hier war ist schonwieder vier, fünf Jahre her. Trotzdem kann ich mich plötzlich an alles erinnern und perfekt orientieren. Ich schlängel mich durch die vielen wartenden Leute in den ersten Stock hinauf zu einer Touristinformation. Dort erkläre ich einer sehr netten Dame was ich vorhabe (nach Süden, über die Malaysische Grenze auf die Insel Langkawi) und frage sie ob meine geplante Route (mit dem Zug zur Grenze in Pedang Besar, dann auf malaysischer Seite mit dem Zug weiter nach Arau und von dort zur Küste, um mit der Fähre auf die Insel zu gelangen) so möglich ist. Sie bestätigt mir dass das alles so passt und ich schlängel mich wieder durch die Leute durch, zum Ticket Schalter. Dort kauf ich mir für 870 Thai Baht (ca 25€) ein Ticket bis nach Pedang Besar. 21 Stunden soll die Zugfahrt dauern. Ich wähle die etwas bessere zweite Klasse, im Schlafwagen mit Klimaanlage.
Da ich mich auch noch erinnern kann das um's Eck eine gute Wechselstube war geh ich noch schnell dorthin. Check den Wechselkurs, der ist Ok, und wechsel 200€ in Thai Baht.
Alles super! Nach nichtmal 30 Minuten am Bahnhof ist alles erledigt und ich voll gut gelaunt wieder am Weg zurück in meinen Bezirk.
Mit Long am Nightmarket
Nach dem Laufen am Morgen, gerade beim Dehnen, spricht mich eine thailändische Frau an. Sie heißt Chanidapa, ihr Spitzname ist Long (die meisten Thais haben Spitznamen die für Westler leichter auszusprechen sind. Ich weiß nicht ob sie sich wirklich so nennen, oder sie sich nur Fremden so vorstellen). Long lebt und arbeitet in Bangkok. Sie fragt mich ob ich am Abend schon was vorhab. Ich verneine und sie bietet an mich an einem der größten Nightmarkets in Bangkok herumzuführen. Optimal! Nightmarkets gibt es sehr viele in Bangkok und die sind sehr sehr busy. Sehrviele Leute, man verliert schnell den Überblick. Optimal wenn einem ein Local herumführen kann.
Gegen 8 Uhr Abends treff ich mich also mit Long dort am Nightmarket. Es ist irre viel los. Verkauft wird so ziemlich alles was man sich nur vorstellen kann. Von Schmuck, über Gewand, diverses Glumpert und - hautpsächlich - sehrviel zu essen.
Long führt mich durch, erzählt von ihrer Family, fragt mich über Österreich aus. Wärhenddessen bleiben wir immer wieder im Gedränge bei unterschiedlichen Essensstandln stehen und sie bestellt alles mögliche Zeug. Gebratenes Fleisch in sehr geiler Souce auf kleinen Stäbchen, Gemüse, kleine Reisbowls mit irgendwas drinnen. Ich verliere den Überblick und esse einfach vor mich hin. Es ist noch immer extrem heiß, in der Menschenmenge sowieso. Nach ein paar Stunden am Nightmarket bin ich erledigt. Ich bedanke mich bei Long für die Tour und verabschiede mich von ihr. Vollgegessen und müde komme ich zurück ins Hostel und schlafe wie ein Baby ein.
Karaoke mit den Österreichern
In meinem Hostel treffe ich auch auf zwei junge Österreicher. Moritz und Phillip wollen das letzte Semester ihres Wirtschaftsstudiums in Bangkok machen und sind gerade auf der Suche nach einer Wohnung hier.
Eigentlich bin ich anderen deutschsprachigen Touristen gegenüber meistens eher reserviert, da es mich unterwegs nervt auf Deutsch angesprochen zu werden. Besonders Deutsche selbst neigen sehr dazu dann nurnoch auf Deutsch zu sprechen, und alle anderen rundherum (die nicht Deutsch sprechen können) komplett auszuschließen.
Moritz und Phillip sind aber echt lustig. Wir sitzen zusammen mit einem Typen aus Barcelona vor unserem Hostel, trinken Bier, hören Ambros, Ostbahn Kurtl und Falco (dabei erklären wir dem Typ aus Barcelona immer was er sich da gerade anhören muss, und versuchen die Ambros Texte in schlechtem Englisch zu übersetzen).
Nach ein paar Bieren haben wir die Idee noch auszugehen. Durch Zufall crashen wir in eine nahe Karaoke Bar, in der eine Gruppe Japaner gerade höchst professionell ihrem Hobby nachgeht. Mit Professionalität ist es dann vorbei. Wir steigen ein und gemeinsam mit den Japanern wird gefeiert. Ich singe "I got you Babe" von Sonny and Cher mit einer Japanerin im Duet. Es wird viel gelacht.
Am nächsten Tag zum Laufen aufstehen kostet ordentlich Überwindung. Eigentlich hat Moritz versprochen mitzugehen, aber es schafft es nicht aus dem Bett.
Polizeikontrolle
Nach dem Abendessen bin ich noch ein bisschen durch die Stadt spaziert und hab mich auf ein Bier in ein Pub gesetzt. Dort mit einem britischen Pärchen ins Gespräch gekommen, noch Bier getrunken und längere Zeit getratscht.
Am Weg zurück zum Hostel spaziere ich die nächtliche Hauptstraße entlang. Es ist mittlerweile spät geworden. Jedenfalls deutlich nach Mitternacht, wahrscheinlich zwei, drei Uhr Früh. Es ist noch immer extrem warm. Da ich erst spät zum Abendessen ausgegeangen bin kommt es mir noch garnicht so spät vor.
Vor mir auf der Hauptstraße bemerke ich plötzlich ein reges Polizeiaufkommen. Muss so eine Art Planquadrat sein. Autos (primär Taxis) werden aufgehalten. Ich spaziere vorbei, als plötzlich ein Polizist mit sehr strengem Blick auf mich zukommt. Auf Englisch spricht er mich an, ich soll stehen bleiben, werde jetzt durchsucht.
Er schaut noch immer total streng, während er beginnt meine Taschen, Geldbörse und alles genau zu durchsuchen. Ich bin enstpannt und versuche ihn freundlich anzugrinsen. Wonach er sucht, frage ich ihn. "The Drugs", antwortet mir der Polizist. Ich erkläre ihm das ich keine Drogen habe. (Sidenote: Thailand hat eines der strengsten Drogengesetze der Welt. Rein theoretisch - auch wenn es vielleicht dann nicht so streng exekutiert wird - stehen auf den Besitz von selbst "leichten" Drogen wie Gras lebenslänglich Haft, bis hin zur Todesstrafe.)
Der Polizist erkennt auch das ich keine Drogen habe und lächelt mich an. Er fragt mich ob ich mit ihm eine Zigarette rauchen möchte und erzählt mir von manchen Touristen und ihren Drogen. Er ist ziemlich nett und wir tratschen eine Zeit lang. Als ich mich verabschiede gibt er mir die Hand und erklärt mir das ich ein sehr netter Tourist bin. Ich versichere ihm das ich ihn ebenfalls sehr nett finde und spaziere zurück zum Hostel.
By the way: Das war schon meine zweite Polizeikontrolle in Bangkok. Vergangenes Jahr hatte ich eine ähnliche Situation. Meine Vermutung: Nachts werden verstärkt Touristen kontrolliert, ob sie verbotene Substanzen mit sich führen.
Ein spontaner Kinobesuch und letzte Nacht in Bangkok
Es ist mein vorletzter Tag in Bangkok. Morgen Nachmittag fährt der Zug in den Süden. Ich stehe in einem riesigen sechsstöckigem Einkaufszentrum in Sukhumvit (das ist der Bezirk in dem sich auch mein Hostel befindet, aber hier Nahe dem touristischen Zentrum wird alles sehr luxoriös. Teure Hotels und eben riesige Einkaufszentren). Primär weil ich vor der Hitze in die schicke klimatisierte Eingangshalle geflüchtet bin. Sekundär zum herumschauen, vielleicht einen Kaffe holen.
Vor einem Starbucks Cafe steht eine Thailänderin. Sie schaut auf ihr Handy und bisschen planlos in der Gegend herum. Ich spaziere an ihr vorbei und Grüße. Sie fragt mich wo ich herkomme, und wir kommen ins Gespräch. Ihr Name ist Pawinee, aber ich soll Pully zu ihr sagen (wieder ein Spitzname). Sie ist 34, kommt aus einer kleineren Stadt ca eine Stunde südlich von Bangkok und ist auf Urlaub hier, ihre Cousine besuchen. Wir tratschen ein bisschen. Eigentlich wollte sie ins Kino gehen, aber den Film den sie sich ansehen wollte spielts jetzt doch nicht. Sie fragt mich ob ich nicht mit ihr ins Kino gehen will. Ok, in Thailand war ich noch nie in einem Kino.
Zwanzig Minuten später sitze ich im sechsten Stock des Einkaufszentrums in einem Kinosaal eines extrem modernen Kinocenters. Bevor der Film beginnt kommt eine Einschaltung zu Ehren des Königs von Thailand. Alle müssen aufstehen und wir sehen Fotos vom jungen König, bis in die Gegenwart. Dann beginnt der Film. Irgendein Hollywood Film über ein russisches Uboot Unglück. Der Film ist auf Englisch, mit thailändischen Untertiteln. Pully fühlt sich ganz gut unterhalten, ich wundere mich das alle Russen im Film perfekt Englisch sprechen.
Nach dem Kino spazieren wir noch ein bisschen durch die Gegend. Pully erzählt mir viel von Thailand, ihrem Job und was sie in ihrem Urlaub bisher gemacht hat.
Sie lädt mich ein am Abend mit ihr und ihrer Cousine gemeinsam auszugehen.
Anna, ihre Cousine ist auch total nett. Sie hat früher im Tourismus gearbeitet und spricht ebenfalls sehr gut Englisch. Sie hat einen Freund aus Holland mit dabei, der mir gleich voll sympathisch ist. Wir stehen in einer Bar mit Pool Billiard Tisch. Eine thailändische Band spielt Pop Musik, aber ziemlich lustig. Anna fragt mich ob ich Billard spiele, ich sage "schlecht". Sie schreibt meinen Namen auf eine Tafel. Die Partie die gerade gespielt wird ist beendet, mein Name der nächste auf der Tafel. Der Gewinner bleibt am Tisch. Ich spiele eine Partie und verliere knapp. Der Verlierer muss die Partie zahlen. Pully hat das für mich schon gemacht weil sie davon ausgegeangen ist das ich verliere. Dann kommt Anna an den Tisch. Pully sagt zu mir ich soll jetzt aufpassen. Anna beginnt zu spielen und panniert den Briten (der mich zuvor besiegt hat) total. Sie bleibt am Tisch. Sie bleibt am Tisch ca die nächsten zwanzig Partien. Unglaublich. Egal wer gegen sie antritt, sie gewinnt. Als ich sie das erste mal gesehen habe hätte ich nicht damit gerechnet das sie so gut Billard spielen kann. Echt ein Wahnsinn. Ich glaube live habe ich noch niemals jemanden so gut spielen gesehen. Anna hätte locker den ganzen Abend am Billard Tisch bleiben können. Irgendwann, nachdem sie so ziemlich jeden in der Bar besiegt hat, hört sie dann auf zu spielen.
Der Holländer, Anna, Pully und ich haben einen echt lustigen Abend. Es wird zur Thai Band getanzt und darüber gelacht wie Anna die ganze Bar panniert hat.
Plötzlich ist es sehr spät, vier Uhr Früh. Mein Zug fährt Morgen, es ist Zeit sich zu verabschieden. Irgendwie ist es traurig Bangkok jetzt zu verlassen. Pully sagt ich soll noch bleiben. Aber das Zugticket ist schon gekauft und ich habe mir vorgenommen meine Reise jetzt endgültig zu starten.
Ich verabschiede mich vom Holländer, Anna und Pully und spaziere durch das nächtliche Bangkok zurück zum Hostel.