Chapter 6: Gestrandet in KL
Stefan • February 4, 2019
sea-2019
Mit dem Bus dauert es rund 4 Stunden von Lumut nach Kuala Lumpur. Wie auch schon bei den vorangegangenen Busfahrten hier in Malaysien funktioniert alles tadellos. Auch dieser Bus ist wieder ziemlich modern und gemütlich.
Ich lese ein bisschen, höre Lou Reed und Bob Dylan, schaue beim Busfenster hinaus und bin gespannt auf Kuala Lumpur, das alle hier nur KL nennen.
Landschaftlich verändert sich nur noch wenig. Fast ausschließlich Plantagen zur Palmöl Erzeugung an beiden Straßenseiten. Zwischendurch noch hin und wieder ein kurzes Stück "echter" Dschungel. Obwohl die weiten Palmen Plantagen eigentlich ziemlich gut aussehen (irgendwie nach Urlaub), ist es schon auffällig das es mittlerweile garkeine Abwechslung mehr gibt. Ich denke mir dass das wahrscheinlich auch nicht unbedingt optimal sein kann.
Es ist ca 15:00 Uhr als ich in KL aus dem Bus steige. Sofort stehen drei, vier Taxler rund um mich herum und versuchen mich mit der alten asiatischen Stresstaktik unter Druck zu setzen, damit ich gleich bei ihnen einsteige. Darauf falle ich heuer nichtmehr herein. Ich nehme meinen Rucksack und dränge mich freundlich lächelnd an allen vorbei, bis ich einen ruhigen Fleck finde um die Lage zu checken.
Die nächste Metro Line ist nur eine Minute entfernt. Das Metro System in KL ist sehr gut, ähnlich dem in Bangkok. 1 Ringgit irgendwas, und 15 Minuten später stehe ich schon vor meinem Hostel.
Nachdem ich am Nachmittag noch die nähere Umgebung erkundet habe sitze ich am Abend noch kurz vorm Computer, um zu Arbeiten. Während ich Pause mache komme ich mit Gabriel ins Gespräch, der auch hier schläft. Er ist aus Borneo, vom malaysischen Teil der Insel. Wir verwickeln uns in ein Gespräch und plaudern ein paar Stunden über Gott und die Welt.
Malaysische Insights
Hier zwei Punkte aus dem Gespräch mit Gabriel, die wir diskutiert haben. Natürlich nicht representativ für alle Menschen Malaysiens, aber dennoch interessant.
Das Palmöl Business
Gabriel erzählt mir wie verblödet er die Palmöl Produktion in Malaysien findet, die manchen Leuten sehr viel Geld einbringt. Nicht nur hier in Westmalaysien, auch sehr stark in seiner Heimat auf Borneo, wurden fast alle natürlichen Wälder gerodet um Platz für die Palmenfelder zu schaffen.
Diese einseitige Bewirtschaftung hat unter anderem zur Folge das der Boden komplett zerstört wurde und nichtmehr ausreichend Wasser aufnehmen kann. Dadurch kommt es jedes Jahr zu stärkeren Überschwemmungen. Auch der Lebensraum unterschiedlicher Tierarten wurde komplett zerstört. Außerdem hat das Palmöl Business die traditionelle Landwirtschaft mittlerweile komplett verdrängt. Dadurch haben viele Menschen (ehemals Bauern) ihre Lebensgrundlage verloren, und Malaysien hat jetzt die absurde Situation selbst Reis und Gemüse aus anderen Ländern importieren zu müssen.Kolonialisierung Borneos / Ostmalaysiens
Wir sprechen auch über die Kolonialisierung Borneos. Gabriel erzählt mir wie es dazu kam das Borneo zwischen Malaysien und Indonesien aufgeteilt wurde, und wie sich die Menschen dort damit fühlen.
Gabriels Heimat war unsprünglich eine seperate Provinz auf Borneo. Seit der Kolonialisierung durch (West) Malaysien (mit Hilfe der Briten) im Jahr 1963 gehört jetzt alles zusammen zu Malaysien, mit der Hauptstadt Kuala Lumpur. Damit sind viele Menschen auf Borneo nicht glücklich. Es gibt in Ostmalaysien nach wie vor eine starke Unabhängigkeitsbewegung, die gegen die zentralistische Regierung in Kuala Lumpur ankämpft.
Gabriels Meinung nach geht das ganze Geld aus Borneo nach Kuala Lumpur und wird dort für die schicken Wolkenkratzer und die Finanzindustrie verpulvert.
Die Situation erinnert mich ein bisschen an die Spanien / Katalonien Situation bei uns in Europa.
Nachbarschaft und Sightseeing
Das Hostel liegt ziemlich gut. Mitten in der Altstadt, die eigentlich Chinatown heißt. Es leben viele malaysische Chinesen, aber auch malaysische Inder, hier in der Gegend.
In der näheren Umgebung findet man alles was man braucht. Ein ganzer Haufen lokale Restaurants in denen sich's sehr gut und günstig speisen lässt. Der Central Market (der älteste Markt Kuala Lumpurs) ist gleich ums Eck. Dazu zwei Metro Stationen in der Gegend, die Botanischen Gärten in Gehweite und eine schöne Promenade am Fluss an der sich Touristen tummeln. Biegt man aber von der schönen Promenade ab steht man wieder mitten im KL Straßenchaos. Also optimale Mischung für mich.
Es dauert ein bisschen bis ich mich wirklich orientieren kann, aber dann fühle ich mich im hektischen Trubel von KL bald wohl. Es fühlt sich hier an wie in einem noch etwas unorganisierteren Bangkok. Aber noch nicht so ganz unorganisiert wie Vientiane (Laos) oder Phnom Phen (Kambodscha) zum Beispiel. Eine gute Mischung eben.
In der Früh gehe ich in die Botanischen Gärten laufen. Die Anlage ist ein Wahnsinn. Riesengroß, viele kleine Wegerl und immer neue Dinge zu entdecken. Hier fühlt es sich plötzlich wieder fast nach einer Dschungelinsel an. Halt übertrieben gepflegt alles, und schon fast unnatürlich sauber. Aber ich vergesse das ich mitten in einer Großstadt bin, obwohl im Hintergrund die Wolkenkratzer KL's empor ragen.
Es gibt eine Laufrunde um einen angelegten See herum, Plätze mit Fitnessgeräten zum trainieren, eine Strecke zum Rennradfahren, einen großen Pavilion mit Bühne, ein paar Kinderspielplätze, zwei kleine Zoo's, usw. Obwohl es noch sehr früh am Morgen ist sind schon viele Malaysier unterwegs. Die meisten machen Sport, wahrscheinlich bevor sie zur Arbeit gehen. Ein paar sitzen gemütlich herum und Frühstücken.
Ich drehe meine Runden bis die Hitze innerhalb weniger Minuten plötzlich wieder rapide ansteigt. Das wars wieder. Der nächste Slot zum Sporteln wäre erst wieder spät abends. Dazwischen ist es viel zu heiß und schwül. Nach spätestens 9 Uhr vormittags führt jeder Schritt draußen zu einem massiven Schweißaus- und beinahe Kreislaufzusammen-bruch. Also ab jetzt wieder nur im Zeitlupentempo bewegen.
In einer der geschäftigen Hauptstraßen hier in Old Town fällt mir beim Durchspazieren ein großer hinduistischer Tempel auf. Gleich daneben grenzen zwei unterschiedliche chinesische Tempel an. Auf der anderen Straßenseite eine große Moschee, aus der gerade viele Leute heraus strömen. Sie drängen sich zwischen Standeln der Hindus durch, die ihre Blumenkränze für den Tempel verkaufen. Weiter die Straße hinauf steht noch ein buddhistischer Tempel, und davon gleich ums Eck eine kleine christliche Kapelle.
So ziemlich alle Religionen innerhalb eines Straßenzuges vertreten. Irgendwie ein schönes Sinnbild für die religiöse und kulturelle Vielfallt Malaysiens, denk ich mir.
Direkt am Central Market befindet sich auch Mr. Yoghurt Lassi. Schon an meinem ersten Tag in KL fällt mir sein Standl auf. Ich finde das Marketing super und bleib auf ein Mango Lassi stehen. Er ist wirklich Mr. Yoghurt Lassi!
Mit Abstand das beste Lassi das ich jemals getrunken habe. Mindestens ein Besuch beim Mr. Lassi täglich (meistens eher zwei) stehen ab sofort am Fixprogramm.
Ich bin am Weg nach KLCC. Das Kuala Lumpur City Center, wie sich der Bezirk nennt. Das ist quasi das moderne, schicke Stadtzentrum. Oder auch das Finanzzentrum der Stadt. Ich habe mir vorgenommen zu Fuß hin zu spazieren, obwohl mir die netten Hostelleute aufgrund der Mittagshitze dringenst davon abgeraten haben. Aber ich spaziere einfach gerne, und die angeblichen 40 Minuten geh ich sowieso locker in 30...
Nach den ersten 20 Minuten muss ich die erste Zwangspause einlegen. Die Luft ist so schwül und stickig dass ich das Gefühl habe, fast keine Luft mehr zu bekommen. Wiedereinmal die hohe Luftfeuchtigkeit gemischt mit den Straßenabgasen unterschätzt. Mein Shirt kann ich auswringen, so durchgeschwitzt ist es. Am Straßenrand (links von mir ist ein kleiner Park) seh ich eine Affenfamilie sich vorsichtig raustasten. Schnell weiter bevor die Affen mich (und meinen Rucksack) entdecken und Stress machen.
Die Hauptattraktion in KLCC sind die Petronas Twin Towers. Dritt höchste Wolkenkratzer der Welt lasse ich mir sagen. Die Höhe ist wirklich beeindruckend. Je näher ich den Towern komme desto schwerer fällt es mir den Kopf weit genug in den Nacken zu legen um sie zur Gänze zu sehen. Die anderen Hochhäuser rundherum (teilweise mit wirklich sehr cooler bzw ausgefallener Bauweise) wirken fast wie Zwergentürme.
In einem der Petronas Twin Towers befindet sich in den unteren Stockwerken ein riesiges Einkaufszentrum. Alles sehr schick und teuer. Als ich mich der Eingangstüre nähere weht mir schon ein eiskalter Wind entgegen. Unglaublich, drinnen ist es auf ca 19 Grad hinunter klimatisiert. Draußen locker 34 Grad, gefühlt durch die Luftfeuchtigkeit weit über 40...
An der Rückseite der Petronas Tower schließt ein sehr schicker Park an. Es gibt einen riesigen Springbrunnen, in einem künstlich angelegten See drinnen. Die vielen Wasserfontänen sind aufeinander abgestimmt und bilden unterschiedliche Figuren. Eine beeindruckender als die Andere.
Ich setze mich und versuche die Reihenfolge der Figuren zu durchschauen, ein Muster zu erkennen. Nach einer halben Stunde gebe ich auf. Kein Muster zu erkennen. Es sind einfach zu viele Figuren. Und ich muss aus der Sonne raus. Ich spaziere in den Park hinein, setze mich unter zwei alte Bäume auf die Wiese, hole mein Stefan Zweig Buch heraus und schaue in die Baumwipfel hinauf.
Als ich wieder erwache, ist die Sonne schon untergegangen, die Petronas Towers und Hochhäuser rundherum hell beleuchtet. Zurück fahre ich mit der Metro.
Eine weitere Touristenattraktion in KL ist der KL Tower, der auf einem kleinen Hügel mitten in der Stadt steht. Rund um den Turm herum ist noch ein Stückchen historischer Regenwald erhalten. Der KL Eco Park. Dieser wurde seit jeher geschützt und die Stadt ist runderherum gewachsen. Die Bäume in diesem kleinen Wald mitten in der Stadt sind viele hundert Jahre alt.
Ich nehme mir vor den Turm, und vorallem den Park, zu besuchen und zu Fuß hin spazieren. Aus meinem Fußmarsch zu den Petronas Towers nichts gelernt bringt mich auch dieser "Spaziergang" in der schwülen Nachmittagshitze an meine körperlichen Grenzen. Obwohl der Weg zum Eco Park nicht so weit ist wie zu den Petronas Twin Towers, bin ich schon beim Erreichen des Hügels komplett durchgeschwitzt. Jetzt heißt es noch hinauf kommen. Ich wundere mich warum überall Taxler herumstehen, die die Fahrt den Hügel hinauf anbieten. Ist ja nichtmehr weit.
Der Fußmarsch den Hügel hinauf zieht sich immer länger. Es ist unerträglich heiß und schwül. Mein T-Shirt kann ich wiedermal auswringen. Am Weg hinauf sehe ich schon die großen, alten Bäume des Eco Parks empor ragen. Affen queren die Straße und ich hoffe, dass sie mich in Ruhe hinauf schnaufen lassen.
Oben angekommen beschließe ich den Tower komplett auszulassen und stattdessen eine ausgiebige Runde im Eco Park zu drehen. Das Areal ist wirklich lässig angelegt. Zwischen den riesigen alten Bäumen sind Hängebrücken gespannt. Man kann unter den Baumwipfeln, hoch über dem Dschungelboden, entlang gehen.
Nach zwei Stunden bin ich mit der Runde durch und hole mir komplett erschöpft zur Belohnung ein Bier aus einer Bar beim Tower.
Während ich sitze beobachte ich ein Affenfamilie wie sie über das Dach eines nahen Restaurants die Dachrinne hinuter klettert. Unten ist der Hintereingang zur Küche. Davor stehen ein paar Kisten, die systematisch geöffnet und geplündert werden.
Ein bisschen außerhalb der Stadt befinden sich die Batu Caves. Eine Ansammlung vieler Höhlen, die als hinduistische Tempel dienen. Marie - eine Deutsche die sich für ein paar Tage in KL auffhält und die ich bei mir im Hostel kennengelernt habe - und ich beschließen uns auf den Weg zu den Höhlen zu machen. Was wir leider übersehen haben: Es ist Wochenende und gefühlt eine Million Menschen - großteils malaysische Inder - haben dieselbe Idee.
Schon der Zug von KL aus in den Norden zu den Höhlen ist unglaublich voll. Noch bevor die ersten Leute bei unserer Station aussteigen können beginnt sich eine Masse von Menschen in den Zug hinein zu drängen.
Da sich bei weitem nicht alle ausgehen beschließen wir auf den nächsten Zug zu warten. Das ist eigentlich der Moment in dem ich umdrehen und den Ausflug zu den Höhlen absagen möchte. Aber Marie überredet mich doch noch zu warten und den nächsten Zug zu nehmen.
In dem ist natürlich auch nicht weniger los. Irgendwie werden wir noch in den knallvollen Wagon hinein geschoben und verbringen so, eingeklemmt zwischen hunderten Leuten, die 30 Minuten Fahrt zu den Batu Caves.
Beim Aussteigen ein ähnliches Bild: Alle drängen sich hinaus, aber die Station (mit Drehkreutzen, an denen man beim hinausgehen seine Karte entwerten muss) kann nicht soviele Leute aufnehmen. Also stehen wir dort nochmal 20 Minuten eingeklemmt zwischen den Menschen in der Hitze. Meine Begeisterung für die Höhlen hält sich mittlerweile sehr in Grenzen, aber ich versuche meine schlechte Laune nicht allzu sehr zu zeigen und beschränke mich auf sarkastische Witzerl.
Die Höhlen selbst sind ganz nett. Wirklich riesige, alte Höhlen, die zu Tempel umfunktioniert wurden. Überall hinduistische Statuen, Zeichnungen und Schmuck. In den Höhlen und auf den Plätzen davor schieben sich aber soviele Menschen herum, dass das Ganze eher an einen Vergnügungspark (oder an ein Las Vegas für Tempeltouristen) erinnert als an einen spirituellen Ort.
Wir besichtigen die drei größten Höhlen, klettern die vielen Stufen zu einem weiteren Tempel hinauf und beschließen es dann gut sein zu lassen. Zurück in die Stadt teilen wir uns ein Taxi, denn nochmal auf das Gedränge im Zug haben wir keine Lust.
Es war nett, die Batu Caves einmal gesehen zu haben, aber ich bin auch froh dann wieder in KL in meinem Stammrestaurant zu sitzen, in aller Ruhe ein Nasi Goreng Kampung mit kaltem Lime Juice zu genießen und freue mich auf den anstehenden Kurzbesuch beim Mr. Yoghurt Lassi.
Gestrandet zum chinesischen Neujahrsfest
Jedes Jahr in Asien warnen sich alle Reisenden gegenseitig vor dem chinesischen Neujahrsfest.
Das findet meistens rund um die erste Feber Woche statt und dauert mit allen Festivitäten Rund zwei Wochen an. Das Problem mit dem Chinese New Year: Während dieser Zeit steigen überall in Asien die Preise für Busse, Züge und Flüge massiv an, weil sich viele Menschen am Weg nach Hause zu ihren Familien machen. Auch Unterkünfte sind zu dieser Zeit (wenn man nicht rechtzeitig bucht) teurer bzw nicht verfügbar da alles voll ist.
Und wie jedes Jahr habe ich auch heuer wieder komplett darauf vergessen rechtzeitig meine Weiterreise zu buchen. Eigentlich war der Plan nach vier, fünf Tagen in KL Richtung Süden weiter zu reisen. Es ist zwei Tage vor meiner geplanten Abreise und ich suche nach einer Unterkunft in Port Dickson (ein Geheimtipp and der malaysischen Westküste, den ich von Gerry hab). Es stellt sich schnell heraus, dass bereits alles voll oder lächerlich überteuert ist.
Ich ärgere mich über mich selbst, dass ich wiedermal nicht rechtzeitig gebucht habe und überlege was ich machen soll. Nach ein paar Versuchen irgendwo südlich von KL eine preislich noch halbwegs vernünftige Unterkunft zu finden, gebe ich auf. Ok, dann bleib ich halt noch ein paar Tage in KL.
In Chinatown spielt es sich ab dem ersten Tag des chinesischen Neujahrsfests ziemlich ab. Ganze Straßenzüge sind für den Verkehr komplett gesperrt. Tausende malaysische Chinesen schieben sich durch die Gassen und besuchen die Tempel. Ab dem späten Nachmittag beginnen Böllerschüsse durch den ganzen Bezirk zu schallen, später ein großes Feuerwerk. Prozessionen mit als Drachen und Schweine (es ist das Jahr des Schweins) verkleideten Menschen ziehen durch die Straßen, begleitet von Trommlern die den Rhytmus vorgeben.
Eine zeitlang ist es interessant zuzusehen, dann wird es mir zuviel Trubel. Ich dränge mich durch die Menge zurück zum Hostel und schaue mir das Feuerwerk von der Dachterrasse aus an.
Tägliche Routine in KL
So vergehen die Tage in Kuala Lumpur. Je länger ich hier bin, desto besser gefällt mir die Stadt. Ich finde einen guten Spot zum Arbeiten, habe ein schönes Zimmer und der Chef des Hostels (der sich freut, dass ich noch länger bleibe) und die Rezeptionsdame sind super freundlich zu mir.
Gleich ums Eck ist ein kleines malaysisches Restaurant. Die zwei Köchinnen kennen mich schon, grinsen mich an und witzeln mit mir sobald ich wieder auf ein Nasi Goreng Kampung extra spicy und einen Lime Juice vorbei komme.
Zum Abendessen variiere ich meistens und wähle eines der vielen Restaurants aus dem Foodcorner im Central Market. Das Essen ist dort auch überall super. Das lässt sich daran erkennen, dass viele Locals dort zu Abend essen. Ich wechsle meistens zwischen Malaysisch, Thailändisch oder Koreanisch durch.
Heute stehen wieder ein paar Erledigungen am Programm. Einen guten Bankomaten finden, der meine österreichische Karte nimmt, um Bargeld abzuheben. Und primär versuchen meinen kleinen Tagesrucksack reparieren zu lassen. Der Zipp beim vorderen Fach ist gerissen. In Österreich haben mir alle gesagt der komplette Zippverschluss muss getauscht werden, was angeblich zu aufwendig für diesen alten Rucksack ist.
Der Chef meines Hostels erklärt mir es gibt ein paar Straßen weiter einen Schuster / Näher der am Gehsteig sitzt und so ziemlich alles reparieren kann. Ich mache mich auf die Suche nach dem Nähmeister. Nach einer Stunde systematisch alle Straßen in der Umgebung abgehen finde ich tatsächlich einen alten Mann, der am Straßenrand mit einer kleinen Werkzeugbox sitzt und gerade ein Paar Schuhe flickt.
Ich spreche ihn an und frage ob er meinen Rucksack reparieren kann. Er kommt eigentlich aus Indonesien und versteht kein Wort Englisch. Mit Händen und Füßen können wir uns irgendwie Verständigen, und ich erkläre ihm das Problem mit meinem Rucksack. Er ist gleich voll motiviert, natürlich kann er es richten. Er deutet mir ich soll mich auf eine Kiste neben ihn setzen, und er beginnt den Zipp meines Rucksacks zu nähen. Ich schaue ihm zu wie er schnell und geschickt beginnt zu nähen. Nach ca 20 Minuten ist er fertig, aber beim ersten Test wird gleich klar das sich der Zipp jetzt nichtmehr öffnen lässt.
Ich gebe ihm zu verstehen das es Ok ist, funktioniert halt nicht. Aber ihn hat der Ehrgeiz gepackt. Er trennt alles wieder auf und beginnt nochmal von vorne. Wieder 30 Minuten später der zweite Versuch. Ist zwar bisschen besser, aber so wirklich öffnen lässt sich der Zipp trotzdem nicht. Ich möchte mich bedanken und ihm sagen das es wirklich Ok ist, wir haben es Versucht. Er möchte nicht aufgeben, trennt alles nocheinmal auf und versucht es ein drittes Mal. Obwohl er jetzt wirklich sehr enge Stiche setzt funktioniert es noch immer nicht. Er trennt alles wieder auf, entschudldigt sich hundertmal und gibt auf.
Obwohl er kein Geld annehmen will bestehe ich darauf möchte ihm trotzdem fünf Ringgit geben. Endlich nimmt er das Geld an, bedankt sich noch hundertmal und wir tratschen noch ein bisschen. Drei Stunden nachdem ich zu ihm gekommen bin verabschiede ich mich und gehe mit dem gleichen gerissenen Zipp - nur bisschen schircher jetzt, mit all den fehlgeschalgenen Nähversuchen rundherum - wieder zurück zu meinem Hostel.
Die ersten vier Tage des chinesischen Neujahresfest sind vorüber und ich habe insgesamt über eine Woche in KL verbracht. Es wird wirklich Zeit, weiter zu reisen. Ich fahre mit der Metro zum Bus Hauptbahnhof ein bisschen ausserhalb von KL (wieder riesig, wie ein Flughafen Terminal), schaue mir an wie alles dort funktioniert und kaufe mir ein Ticket für den nächsten Tag nach Malacca, im Süden Malaysiens.
Morgen Früh soll es also endlich weiter gehen.